Beruf: Therapiehund

Über Therapiehunde und andere neue Aufgaben für Begleiter auf 4 Pfoten.

 

Hund und Mensch

Hunde sind äußerst anpassungsfähige Lebewesen, die sich seit Jahrtausenden ganz auf den Menschen eingelassen haben – so sehr, dass sie die Bindung an Homo sapiens der an ihre eigenen Artgenossen vorziehen und dafür große Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit in Kauf nehmen. Gleichzeitig macht die Nähe zum Menschen sie zu einer sehr erfolgreichen Spezies. Die Anzahl der Hunde weltweit wird auf 500 Millionen geschätzt, die Wölfe, ihre Ahnen, bringen es auf etwa 170.000.
Die lange gemeinsame Geschichte und ihr Bestreben, sich den menschlichen Lebensbedingungen anzupassen, hat Hunde zu Experten für die menschliche Körpersprache gemacht – schließlich verbringen Familienhunde den Großteil ihrer Zeit damit, „ihre“ Menschen zu lesen.

Der Hund als Helfer

Bekanntlich wurden und werden Hunde auch als Helfer eingesetzt, sei es als Wachhund, Hütehund, Jagdhund, Lawinensuchhund oder Trüffelhund, um nur ein paar Beispiel zu nennen. Dabei kommen besondere Fähigkeiten des Hundes zum Einsatz, wie sein Geruchsinn (1 Million-mal besseres Riechvermögen als der Mensch) oder sein gutes Sehvermögen in der Dunkelheit.
Eine Gemeinsamkeit von Menschen und Hunden ist die Erhaltung von Neugier und Freude am Spielen bis ins hohe Alter – bei den meisten Spezies sind diese Eigenschaften auf die Jugend beschränkt.
Derzeit entwickeln sich viele neue „Hundeberufe“. So werden Hunden auch zum Erkennen von Baumschädlingen und sogar von Krebserkrankungen eingesetzt, sie können DiabetikerInnen bei Unterzuckerung warnen oder AllergikerInnen verlässlich anzeigen, ob in einem Lebensmittel Spuren der unverträglichen Substanz enthalten sind. All dies setzt natürlich eine entsprechende Ausbildung voraus.
Das gilt auch für die Therapiebegleithunde. Im Rahmen ihrer Ausbildung werden sie an Gehhilfen und Rollstühle, an Gedränge, brüske Bewegungen und plötzliche laute Geräusche gewöhnt. Sie lernen, auch Berührungen, die ihnen an sich unangenehm sind, freundlich zu erdulden. Auch bei Erschrecken dürfen sie keine aggressive Reaktion zeigen.

Wie wird der Hund zum Therapiehund?

Eine neue Entwicklung ist auch die zum Großteil auf Frauen (wie Turid Rugaas, Patricia McConnell und viele andere) zurückgehende Revolution in der Hundeerziehung: statt mit Strafe und folterähnlichen Methoden Gehorsam zu erzwingen, setzen neue Ansätze auf Ignorieren von unerwünschtem und Belohnung von erwünschtem Verhalten, und auf die Beobachtung und Beachtung der Körpersprache des Hundes, die sich wesentlich von der unseren unterscheidet. Diese Methoden sind sehr erfolgreich in der Ausbildung von selbstbewussten Hunden mit ausgeprägtem Sozialverhalten.
Und dieses wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass Hunde in der pädagogischen oder therapeutischen Arbeit mit Menschen eingesetzt werden können:
„Wir brauchen /…/ gut sozialisierte Hunde, die offen mit der Umwelt umgehen können, die die nötige Impulskontrolle haben, die stabil sind und aus der Situation hinausgehen, wenn es ihnen zu viel wird.“  [1]  
Die positiven Effekte des Einsatzes von Therapiebegleithunden auf den Menschen sind jedenfalls beeindruckend. Im geriatrischen Bereich beobachtet wurden:
Blutdrucksenkung, Normalisierung des Herzschlags, Entspannung des Muskeltonus, Aktivierung der Wahrnehmung, Stimmungsaufhellung, sinkender Medikamentenverbrauch, geringere Morbidität nach Herzinfarkt, sinkenden Cholesterinwerte.   [2]  
Bei einer so eindrücklichen Wirkung auf kranke Menschen liegt es nahe, die tierische Unterstützung auch in der pädagogischen Arbeit und der Erwachsenenbildung einzusetzen.

 

[1] Karl Weissenbacher vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Wien leitet die „Prüf- und Koordinierungsstelle für Therapiebegleithunde. Zitiert nach Kurier vom 29.12.2016, Beilage Lebensart. 

[2] Zitiert nach dem Ausbildungsskriptum von Dr. Eric Stoiser,  medizinischer Leiter der Pflegebereiche der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz, im Rahmen der
      „Tiere als Therapie“-Therapiebegleithundeausbildung. 

Literatur:

Artikel als pdf

Zurück zum Seitenanfang