Coach, weiblich? Coachin? Coacherin? – Coachess!

‚Sollte der Coach weiblich oder männlich sein?’ wird auf dem Internet-Portal coaching.cc gefragt, und die deutsche Sozialforscherin Lilli Cremer-Altgeld meint, die weibliche Form wie ‚Coachin’ und ‚Coacherin’ werde noch getestet, bis dahin sei von einem Coach - weiblich/männlich’ zu sprechen. So findet frau/man denn auch bei der Google-Suche nach dem Begriff Coachin vorwiegend Tippfehler wie in ‚Training, Beratung und Coachin’.
Wenn in der Ludwigsburger Beratungsstelle Frau und Beruf zum ersten Mal ‚ein Trainer und ein weiblicher Coach’ gleichzeitig eingesetzt werden, wird ja sehr klar, wie weit es mit dem Mitgemeintsein der Frauen her ist: dass der Trainer ein Mann ist, versteht sich von selbst, dass der Coach eine Frau ist, muss extra dazu gesagt werden – mit Recht, denn ohne den Zusatz weiblich würden wir bei 'der Coach' wohl automatisch an einen Mann denken.

‚Wieso eigentlich nicht Coachin? Wir sagen doch auch Managerin oder Trainerin’, fragt Gisela Haasen auf wolfsmutter.com. Antwort: Manager und Trainer enden auf -er, wie auch viele deutsche Berufsbezeichnungen (zB Lehrer, Leiter, Berater), die weibliche Form solcher Fremdwörter lässt sich analog zum Deutschen bilden und klingt vertraut. Genau das dürfte der Grund für die Bildung Coacherin sein, die sich via Google auf immerhin 517 Seiten deutscher Sprache finden lässt, davon aber nur 38-mal auf österreichischen Websites. Geht es vielen meiner Berufskolleginnen so wie mir, dass ihnen die Coacherin sprachlich gegen den Strich geht? Schließlich heißt die männliche Form nicht Coacher, sondern Coach: und das ist ursprünglich die Kutsche. Von ihr wird die Bezeichnung auf den Coachman übertragen- ob es auch Coachwomen gab, wird bei wikipedia nicht erwähnt. Der Coachman wird dann einfach Coach genannt, seine Aufgabe ist das Führen und Betreuen der Pferde. Davon ausgehend wird ab dem 19 Jahrhundert der Begriff auch für Personen verwendet, die andere auf Prüfungen, Aufgaben oder sportliche Wettkämpfe vorbereiten.
In das Deutsche wurde das Wort Coach zunächst im Sport als Synonym für Trainer übernommen und von da aus Anfang der 80er Jahre im Beratungsbereich eingeführt, da Beratung bei Führungskräften mit einem negativen Image verbunden war und ManagerInnen, die sie in Anspruch nahmen, geächtet wurden. ‚Coaching mit der Assoziation aus dem Sport und der Leistungsorientierung wurde als "Trojanisches Pferd" verwendet, um Führungskräften einen geschützten Reflexionsraum zu öffnen, der in der Beratung neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnete.’  (http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2006/2006_04.pdfcoaching-Newsletter 2006-04, S.3) – mit Erfolg, wie die bemerkenswerte Entwicklung des Coachings seither zeigt.

Aber zurück zur weiblichen Form von Coach. Im Englisch-Wörterbuch findet sich keine. Dort gibt es aber auch das Wort Coachee nicht, ein in Anlehnung an trainer / trainee (= AuszubildendeR) gebildeter Begriff für die Person, die Coaching in Anspruch nimmt.
Was lernen wir daraus? Dass es sehr wohl möglich ist, kreative Ableitungen für importierte Begriffe im Englischen zu bilden, selbst wenn es sie dort nicht gibt.
Deshalb mein Vorschlag, analog zu instructor / instructress (= Lehrerin, Dozentin) die Coachess zu kreieren. Das ist dem Charakter von Coach als Fremdwort viel angemessener als eine vorschnelle Eindeutschung – ebenso wie wir eben von dem/der Coachee sprechen und nicht von der/dem Gecoachten.
Dem Englischen werden ein paar zusätzliche weibliche Formen sehr gut tun. Und wir deutschsprachigen Beraterinnen gewinnen eine wohlklingende Berufsbezeichnung: Coachess. Denn es kann ja wohl nicht so bleiben, dass es für ein Berufsfeld, in dem so viele Frauen tätig sind, keine adäquate weibliche Bezeichnung gibt!

Djamila Rieger, Coachess und Organisationsberaterin, riegerin.at

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